Das sind wir

Leitung

In den Schulferien bin ich mit meiner Familie nur in Deutschland verreist. Meine erste große Reise habe ich mit 28 gemacht, als ich in die USA flog, um dort als Highschool-Lehrerin zu unterrichten. Ich erinnere mich noch gut an den langen Gang, der vom Flughafengebäude bis zum Flugzeug führte: Von da an gab es kein Zurück mehr, ich war auf mich allein gestellt und musste mich in der neuen Welt zurechtfinden. Mir gefiel es dort so gut, dass ich zwei Jahre blieb – auch heute noch habe ich Kontakt zu einigen amerikanischen Freunden. Für die Blogger-Schule wünsche ich mir, dass wir unsere Schüler tatkräftig dabei unterstützen können, von sich und ihren Erlebnissen zu berichten: Denn von dem Austausch können wir alle viel lernen!

Karin Hertzer, Journalistin, Bloggerin und Lehrerin



Aufbrüche ins Ungewisse gehören zur Lebensrealität: ob privat oder beruflich, digital oder ganz real auf Reisen. Wer aber unfreiwillig und ungeplant seine Heimat verlassen muss und unterwegs ist, braucht Hilfe, damit das Fremde nicht fremd bleibt. Die sprachliche und visuelle Erarbeitung von Persönlichem, von kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden bringt Menschen ins Gespräch – der Schlüssel, um Verständnis füreinander und für das Fremde zu schaffen. Und um neue Türen zu öffnen. Deshalb engagiere ich mich bei der Blogger-Schule. Ich wünsche mir, dass die jungen Menschen das Fremdsein überwinden und ankommen können.

Doro Hartmann, Digitale Strategin, Journalistin und Dozentin


Team


Der Vater gerade noch zwei Monate vor Mauerbau mit der S-Bahn nach West-Berlin rübergemacht, die Mutter im heutigen Serbien aufgewachsen, weil die jüdische Abstammung eines Elternteils 1938 keine andere Wahl ließ. Ich selbst bin verwurzelt und behütet im inspirativen München-Schwabing der 60er und 70er Jahre groß geworden, mit Anfang 20 brach ich in eine meiner schönsten Lebensphasen auf, die Zeit des dauernden Reisens. Alle Kontinente zu sehen, andere Menschen, andere Kulturen und andere Sprachen zu erleben. Das war zehn Jahre lang mein Ding. Heute bin ich sicher: Die Welt sehen zu wollen, entstand aus der Gewissheit, eine Heimat zu haben.

Isabelle Dinter, Illustratorin und visual facilitator


Seit Menschengedenken migrieren die Menschen, um anderswo in der Welt ein sicheres Leben zu finden. Dabei möchte ich gern helfen. Eine Spezialistin für „Entdecker“ bin ich ohnehin schon in meinem beruflichen Leben. Außerdem habe ich das Glück, in dieser schönen Stadt geboren zu sein und bin Mutter zweier Kinder. Zehn Jahre habe ich als EU-Bürgerin im Ausland gelebt, studiert und gearbeitet: zehn wertvolle Jahre des Lernens.

Anne Fischer, Social Media Expertin

 


Schon bei den Familienreisen während der Schulzeit lernte ich lieben, was anders ist als daheim: Landschaften, Bauten, Menschen, Sprachen usw. Seitdem bin ich so oft wie möglich mit dem Rucksack unterwegs gewesen, von USA bis Ostasien. – Allerdings bin ich jedes Mal gerne wieder heimgekommen. Genau das können Kinder und Jugendliche nicht, die hier Schutz suchen. Gerade viele Unbegleitete sind psychisch wie physisch überfordert. Die Erinnerung an Krieg, Schrecken und Entbehrungen begleitet sie, und richtig entspannt leben sie hier nicht. Da hilft es, die eigenen Geschichten zu erzählen. Und es tröstet, wenn mehr Menschen zuhören wollen. Ich wünsche mir, dass junge Geflüchtete das in der Blogger-Schule erleben und sich so das Neue leichter zu eigen machen.

Barbara Knab, Wissenschaftsautorin und Psychologische Psychotherapeutin


Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der Menschen wegen ihres „Andersseins“ nicht ausgegrenzt werden. Wie gehen wir um mit unseren Alten, mit Schwulen und Lesben, Kranken, Sterbenden, Behinderten und mit jenen, die nicht bestimmten Normen entsprechen? Oder mit den Menschen, die „nicht von hier“ und erst einmal fremd sind? Das „Anderssein“, die Diversität, bereichert eine Gemeinschaft. Ich wünsche mir einen wertschätzenden Blick auf die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen. Deshalb freut es mich, dass die Blogger-Schule für die Jugendlichen, die aus einer Notsituation in unser Land gekommen sind, ein Sprachrohr ist. So können sie sich zeigen und von uns „gesehen“ und verstanden werden – bis das „Andere“ schließlich auch nur ganz „normal“ ist.

Elia Treppner, Therapeut, Coach, Leitung Nachwuchsarbeit PresseClub München e.V.


Heimat ist kein Ort, das ist ein Gefühl, dazu zu gehören, verstanden, gemocht zu werden. Ich verreise sehr gerne und lerne neue Kulturen und Menschen kennen. Aber nach einer gewissen Zeit zieht es mich auch wieder nach Hause. Während meiner Ausbildung war ich für eine Zeit in der Nähe von Münster – die längsten drei Monate meines Lebens weil ich kaum Privatsphäre hatte, die Menschen in meiner Umgebung fremd waren und ich mein soziales Umfeld bis hin zu meinen Lieblingsspeisen vermisste. Am liebsten erinnere ich mich an die Weihnachtssterne, die man vom Zugfenster aus auf der Hauptstraße in Olching sehen konnte. Ab da waren es noch 10 Minuten bis zum Hauptbahnhof und ich fast wieder daheim. Deshalb wünsche ich mir, dass mein München eine neue Heimat für die eine oder den anderen werden kann und die Bloggerschule ihren Beitrag dazu leistet.

Gerti Windhuber, Bloggerin


Ich bin nicht besonders reiselustig, ich genieße mein Zuhause sehr. Deshalb ist es für mich eine besonders schlimme Vorstellung, das eigene Zuhause aufgeben zu müssen, für eine ungewisse Zukunft. Andererseits: Wenn ich mal in der Welt unterwegs war, habe ich immer festgestellt: Sich Fremdes vertraut zu machen, das ist oft ein wunderbares Erlebnis. Das wünsche ich den jungen Menschen auch, die sich fern der Heimat ein neues Zuhause aufbauen. Und ich bin gespannt auf ihre Eindrücke dabei.

Kirsten Wolf, Journalistin


Fotos: Ortrud Stegner (KH), Bernd Schiffer Photography (KW), Sylvie Köker (BK) (ID), Georg Thum (ET), Art Boudoir by dorothee elfring (AF)